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Musikszene im Wandel – Der Stil der deutschen Club-DJs wird dunkler. Perfectgay.de sprach mit DJ Björn Petzold

Es ist bereits eine Institution: Jedes Jahr mit Eröffnung der Ibiza-Saison ändert sich der Musikstil, der in deutschen Clubs aufgelegt wird. Die Top20-DJs wie Eric Prydz, Pete Tong, Sanchez, Guetta dienen hierzu als Trendsetter einer ganzen Branche. Dabei geht der Trend 2009 vom reinen Vocal House (2008) mehr und mehr in Richtung Deep House mit melodischen Einflüssen und Vocal-Elementen. „Wer mitzieht, gewinnt“, sagt Björn Petzold, Jahrgang 1983, ein aufstrebender junger DJ aus Frankfurt am Main, der durchaus in die Gruppe der A-DJs, also zu den Top20 der Club-DJs in Hessen gehört. Überregional bekannt wurde er im Mai 2008, als er das Hörervoting von „Nightwax“ (planet radio) gewann.

P.G.: Eigentlich ist das ja eine Shooting-Karriere, wenn man bedenkt, dass Du erst 2006 angefangen hast, auf Partys aufzulegen und Mixtapes für Deine Freunde zu mischen. Wie kam das?
B.P.: Das war eher zufällig. Ich lernte Ende 2005 den Fotografen Stephan Schramm kennen. Stephan, der in der Clubszene sehr bekannt ist, hörte sich Monat für Monat meine Mixtapes an, fand diese sehr gut, und buchte mich 2007 bei den von ihm veranstalteten „Vior Nights“ im Club Velvet in Frankfurt als DJ. Danach habe ich mich dann zusammen mit 300 anderen DJs für das „DJ search“ von „Nightwax“ beworben, kam unter die ersten sechs, und bekam eine Stunde Sendezeit. 

Dabei ist Björn Petzold bescheidener, als man denkt. Er verzichtet auf einen Künstlernamen und tritt auch in der Öffentlichkeit mit seinem richtigen Namen auf. Damit befindet er sich in bester Gesellschaft, denn auch Dirk Dreyer und Sven Väth, Ikone der deutschen House- und Electroszene, agieren mit ihrem richtigen Namen. „Ich halte nichts von Stylo-Namen, denn sie sagen absolut nichts über den Typ aus, der auflegt“, sagt Björn. „Mir ist es lieber, wenn die Leute wissen, was sie erwartet, wenn Björn Petzold auflegt. Das bin ich, meine Identität muß ich nicht verschleiern.“

P.G.: Du warst sogar Resident DJ in der Househall in Ludwigshafen. Warum gibt man so etwas auf?
B.P.: *lacht* Die Partys waren im Umbruch. Irgendwann hat man alle Wasserwerke, Kühlhäuser, Fabriken und Rohbauten durch. Da muß man sich eben etwas Neues einfallen lassen – so auch ich. Außerdem verwandelte sich der Style immer mehr in Richtung uptempo Clubhouse. Man kann auf einer Party mal an der magischen 130-bpm-Grenze (beats per minute, Anm. d. Red.) kratzen, aber nicht schon um Mitternacht und nicht die ganze Zeit. Gebretter, Geknarze, wo man Takt und Melodie nicht mehr zuordnen kann, das geht ab und zu mal, aber nicht den ganzen Abend.

P.G.: Im Moment hast Du ja ein relativ weit gefächertes Spektrum an Clubs, wo Du auflegst. Vom „Velvet“ in Frankfurt über das „p15“ in Offenbach und den „Beachclub“ im Düsseldorfer Rheinhafen bis hin zu Partys und kleineren Clubs in Hamburg und Berlin. Wann gründest Du Dein eigenes Label? *lacht*
B.P.: Gar nicht. Ich orientiere mich da an Peter Cornely aka DJ Karotte. Man kann auch ohne eigene Musik DJ sein.

P.G.: Du bist ja an sich ein künstlerisch vielseitiger Mensch. Du hast, wenn ich Deine Biografie richtig lese, von 2001 bis 2004 für eine Modelagentur gearbeitet und unter anderem Bademoden auf dem Laufsteg präsentiert.  Könntest Du Dir vorstellen, neben Deiner eigenen Karriere als Fotograf und DJ auch in dieser Branche wieder tätig zu werden?
B.P.: Nein, höchstens hinter der Kamera. Meine Leidenschaft gehört der Musik und der Fotografie. Es gibt für mich nichts Besseres, als mit anderen Menschen zu feiern, die Spaß haben, wenn ich Musik auflege, die dazu tanzen und hinterher nach Hause gehen und sagen „Wow, das war eine geiler Nacht!“ – diese Befriedigung, die Emotion dabei gibt’s beim Modeln einfach nicht.

P.G.: Dann bedanke ich mich schon einmal für das Gespräch und die Zeit, die Du uns geopfert hast. Eine Frage habe ich noch: Wenn man Dich buchen oder aus anderen Gründen kontaktieren möchte, wie macht man das am besten?
B.P.: Am besten per Email über bjoernpetzold@web.de. Dort kann man zum Beispiel auch Demosets anfragen.

 

Das Interview mit Björn Petzold führte unser Chefredakteur Wolfram Alster.

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