Unser Chefredakteur Wolfram Alster über die neuesten Machenschaften auf deutschen Gayportalen.
Jeder, der schon einmal auf einem schwulen Datingportal angemeldet war, kennt das Problem: Vermeintlich gut aussehende User aus einem fernen Land kontaktieren User aus Deutschland und suchen eine Partnerschaft oder feste Beziehung ausgerechnet zu dem (meist neu) angemeldeten Nutzer. Dabei ist so ziemlich alles möglich: Der junge Rumäne, der nebenher als Model arbeitet, sucht einen reiferen Mann, der junge Philippine oder Thai sucht einen molligen Mann, der Ghanese mit großem Gemächt sucht eine feste Beziehung in Deutschland – mit vielen, schlecht übersetzten Worten geht es in Wirklichkeit nur um eines: Ums Geld.
Da werden Profile auf Pay-Portalen angeboten, wo man nur unter Angabe seiner Kreditkartendaten Zugang erhält. Natürlich unter Belastung einer saftigen Monatsgebühr. Mit viel Glück „bestellt“ man dann gleich ein Abo und zahlt jeden Monat – dabei ist man nur auf einen „Fake“ reingefallen. Diese Profile werden dabei mit einer klaren kriminellen Absicht angelegt und genutzt, um gezielt andere Mitglieder finanziell zu schädigen.
Dabei ist die Masche mit der versprochenen Erbschaft aus Afrika noch die Älteste. Ein angeblicher Notar kontaktiert einen Internetnutzer und berichtet ihm vom Erbe einer dritten Person. Diese Person sei gestorben und habe X Millionen an Geld hinterlassen, die der Notar nur an den rechtmäßigen Erben auszahlen dürfe. Den gäbe es allerdings nicht, so der Notar, und weil das Geld sonst an den Staat falle, brauche er die Hilfe des Internetnutzers. Dieser solle gegenüber dem Notar das Erbe beanspruchen, dann könne der Notar das Geld an den Nutzer auszahlen. Für diese „Unterstützung“ erwartet der Notar nun einen gewissen Prozentsatz der Summe an Provision, meist sind es 50%.
Das Procedere funktioniert so, daß ein paar Tage später auf dem angegebenen Konto eine Überweisung von X Millionen Euro eintrifft. Diese, so der Notar, steht zur freien Verfügung, der Internetnutzer möge bitte auf das Anderkonto des Notars nun den Anteil desselben zur Anweisung bringen. Wenn die Überweisung getätigt und ausgeführt wurde, spätestens jedoch 10 Tage später, wird die erste Überweisung wegen Betrugsversuchs storniert (der Betrüger, der übrigens meist gar nicht aus Ghana, sondern aus Osteuropa stammt, verwendet zur Überweisung nämlich die Kontodaten aus so genannten Phishing-Aktionen oder teilweise auch aus den Angaben bei obigen Pay-Portalen, diese sind meist nicht gedeckt oder werden sofort wegen Fehlers storniert).
Damit ist die Überweisung auf das Konto des „Notars“ allerdings ausgeführt, das Konto des Nutzers satt im Minus. Die Stornierung der Überweisung an den Notar ist allerdings meist fruchtlos, denn das Konto existiert längst nicht mehr. Den Schaden (und die Schulden) hat der Kontoinhaber – und noch dazu ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugs und Unterschlagung vom eigentlich Geprellten an der Hand. Außerdem wird die Hausbank des Kontoinhabers das Konto sofort wegen krimineller Machenschaften kündigen und einen Schufa-Eintrag initiieren. Dagegen sind ein paar hundert Euro, die man dem Model nach Rumänien per Western Union geschickt hat, um die vermeintliche Fahrkarte und das Visum für den Besuch vorzufinanzieren, und die genauso im Sande verlaufen, natürlich nicht viel.
Ärgerlich für jeden, der auf jeden Euro angewiesen ist, ist es trotzdem. Um nicht automatisch jeden, der aus diesen Ländern kommt, wegen ein paar Betrügern zu verdächtigen, sollte man sich allerdings an ein paar Regeln halten.
Die erste, wichtigste Regel, ist der gesunde Menschenverstand und ein gewisses Misstrauen. Es hilft dabei, das Blut nicht unter die Gürtellinie rutschen zu lassen. Hat der Chatpartner dann nur ein Foto im Profil, oder sehen mehrere Fotos aus wie eine Serie, die zusammengehören könnte? Bitte ihn um weitere Bilder. Wer professionelle Bilder hat, hat auch „normale“ Fotos, oder Partypics. Wenn das Profil erkennbar neu angelegt ist (Besucherzahlen, etc), solltest Du doppelt vorsichtig sein.
Dabei gehören Dinge wie Postanschrift, Rufnummer, Mailadresse, Geburtsdatum, Bilder von amtlichen Dokumenten, Angabe des Arbeitgebers oder – ganz besonders dumm – Angaben über den Drogenkonsum oder safer sex nicht in den Profiltext. All dies sind Dinge, die von „wohlmeinenden“ Menschen missbraucht werden können, um Dir zu schaden.
Ergibt es sich, daß es nun zu einem Chat mit einer Person kommt, der Du nicht vertraust, solltest Du niemals Deine Telefonnummer, die Adresse oder sonstige persönliche Information herausgeben. Auch das Versenden all Deiner Bilder kann sehr negative Folgen haben, und wenn es auch nur die sind, daß jemand mit Deinen Bildern Profile anlegt und Leute abzockt. Es ist sicher kein schönes Gefühl, als Münchner in Hamburg auf einer Party von mehreren Leuten wegen des Geldes angesprochen zu werden, das man Dir per Western Union nach Rumänien geschickt hat – leider kürzlich einem Bekannten von mir passiert. Und schicke niemals Geld! Man kann Fahrkarten und Flugtickets nämlich auch hinterlegen. Wenn diese mit Kredit- oder EC-Karte bezahlt worden sind, sind diese auch nicht gegen Bargeld umzutauschen (bei einem Ticketstorno werden nämlich die Buchungen rückgängig gemacht, in dem Fall Deinem Konto wieder gutgeschrieben).
Der neuste Trick ist es, Profile mit hübschen Jungs anzulegen und Leuten, die nach Geld „aussehen“ (die also im Profil Bilder haben, auf denen sie vor großen Autos stehen etc) eine Liebesbeziehung vorzugaukeln. Man chattet ein paar Tage mit den (meist käuflichen) jungen Männern, und lädt sie dann schließlich zu sich ein – so geschehen bei einem guten Freund von mir, der bei Gayromeo seit ein paar Monaten einen neuen Lebenspartner sucht.
Der junge Mann ist gut gekleidet, kommt mit Taxi oder Bahn auf eigene Kosten, lässt sich lediglich am Bahnhof abholen. Dann hat man gemeinsam einen netten Abend, landet schließlich im Bett, hat guten Sex etc etc. Alles scheint gut zu laufen. Am nächsten Tag erhält der junge Mann einen Anruf, und bittet seinen „Verlobten“ oder „Partner“, den er ja sooo sehr liebt, um einen Betrag (im Fall meines Freundes waren es knappe 1000 Euro), um sein Arbeitszeugnis und seinen Pass aus einer osteuropäischen Sprache in die deutsche Schrift übersetzen zu lassen, und damit das Ganze schnell vonstatten geht, braucht er ein Flugticket, daher der hohe Betrag. Abschließend lässt sich sagen, daß mein Freund zum Glück nicht bezahlt, sondern den jungen Mann wortlos zum Bahnhof gebracht hat, wo übrigens der Zuhälter schon wartete…
Sein Geld hätte er sicher ebenso wenig wiedergesehen wie den Jungen.